PERPETUA und FELICITAS: Hl. Märtyrerinnen, + 7. März 202/203 zu Karthago.

      Fest am 7. März. - Perpetua, aus vornehmer Familie stammend, Felicitas, aus dem Sklavenstand, wurden zusammen mit einer »sehr gemischten Gesellschaft junger Leute, die größtenteils aus Sklaven besteht« (O. Hagemeyer) zu Karthago zur Zeit des Kaisers Septimius Severus verhaftet. Sie waren christliche Katechumenen. Der Vater der P. hatte verzweifelt versucht, sie mit allen Mitteln zur Umkehr zu bewegen: »Hab Mitleid, Mädchen, mit meinen grauen Haaren!... Mach mir doch jetzt keine Schande vor den Menschen!...Lege deinen Starrsinn ab, richte uns nicht alle zugrunde!...Niemand von uns kann sich ja noch sehen lassen, wenn dir etwas passiert!« (Kapitel 5 der Märtyrerakten). Die Märtyrerakten, die zu den »schönsten, ergreifendsten und liebenswertesten Dokumenten aus der christlichen Frühzeit« (O. Hagemeyer) gerechnet werden, berichten, wie beide im Kerker die Taufe empfingen. Sie waren jung verheiratet.
      O. Hagemeyer bemerkt zu ihrer Situation: »Die Akten berichten darüber, wie ihre junge Mutterschaft in die Würde des Martyriums einbezogen und von ihr überstrahlt wurde. Es ist auffallend, daß die Gatten der jungen Frauen in den Akten überhaupt nicht erwähnt werden. Vielleicht ist die Erklärung darin zu suchen, daß sie Heiden waren, als solche konnten sie das christliche Bekenntnis ihrer Frauen, das wegen seiner Ableh-
      nung des Kaiserkultes als Hochverrat galt, als Scheidungsgrund ansehen. Vielleicht dürfen wir in der Nichterwähnung der Ehegatten auch einen feinen Hinweis darauf sehen, daß die zur Ganzhingabe an Christus berufenen Frauen durch ihr Martyrium von jeder irdischen Bindung losgeschält und mit ihrem ganzen Sein nur noch für Christus, ihren Herrn, da waren, der sie zu sich berief.«
      (Ich bin Christ -  Frühchristliche Martyrerakten ... S. 86-87).

      Am 7. März des Jahres 202 oder 203 wurden P. und F. bei den Festspielen zur Feier des Geburtstages des Cäsars Geta den wilden Tieren im Amphitheater vorgeführt und getötet. Als die beiden trotz schwerer  Verletzungen noch lebten, töteten Henker sie durch Dolchstiche in den Hals. Wir können annehmen, daß ein Augenzeuge des ganzen Geschehens die Vorgänge bis ins Detail in der Passio aufgeschrieben hat. Allerdings ist unbedingt festzuhalten, daß nur die einleitenden Kapitel (1 und 2) sowie der Bericht über das glorreiche Ende (14-21) von diesem Augenzeugen stammen. Die Vermutung geht in Richtung des Tertullian, da gerade in diesen Kapiteln sehr betont vom Wirken des Hl. Geistes gesprochen wird, was bekanntlich sehr die Art des Tertullian gewesen
      ist.
      Zu den anderen Kapiteln stellt O. Hagemeyer fest: »Kapitel 3-10 sind von Perpetua und Kapitel 11-13 von Saturus  verfaßt, der, wie die Akten berichten, die jungen Katechumenen in das Christentum  eingeführt und sich darum nach ihrer Gefangen-
      nahme freiwillig gestellt hatte, um ihnen in ihrem großen Kampfe beizustehen und in der Passion mit ihnen vereint zu sein.« (Ich  bin Christ - Frühchristliche  Martyrerakten ... S. 88). Bedeutsam sind in diesen Akten auch die Visionen der P. Vor  allem spielt hier das Bild des Mahles eine Rolle. In einer dieser Visionen ist P. in den Himmel hinauf-
      gestiegen: »Und ich sah einen weit  ausgedehnten Garten und in seiner  Mitte einen altersgrauen Mann sitzen im Gewande  eines Hirten, der war groß und molk die Schafe, und viele Tausende in weißen Kleidern standen umher und er erhob sein  Haupt, sah mich an und sagte zu mir: Willkommen, Kind. Und er gab mir von dem Käse der Milch, die er molk, einen Bissen. Ich empfing ihn mit zusammengelegten Händen und aß ihn, wobei die Umstehenden sagten: Amen. Und  bei dem Laut der Stimme erwachte ich, noch essend das Süße, was immer es auch war.« (Acta 4,5:37,26 Krüger). Auch das Bild vom Durstig-Sein und vom Stillen des Durstes kommt in den Visionen der P. vor. So sieht P. ihren Bruder Dinokrates im Jenseits. Er ist durstig, vermag aber das Wasser nicht zu schöpfen. Da betet P. für I  hren Bruder. Am folgenden Tag hat sie eine neue Erscheinung: »Ich sah jenen Ort, den ich früher gesehen hatte, und den Dinokrates mit gewaschenem Leibe, gut gekleidet und sich erholend. Wo die Wunde gewesen war, sah ich eine Narbe, und die Umfassung des Teiches war tiefer geworden  bis an den Nabel des Knaben. Ohne Aufhören schöpfte er Wasser aus dem Bassin. Über der Umfassung war auch eine goldene Schale voll Wasser, Dinokrates trat hinzu und fing an zu spielen.« (Acta 7-8:38 f., Krüger). Schließlich erscheint im »vierten Gesicht« der P. eine merkwürdige Gestalt:»Und heraus trat, als mein Gegner, ein Ägypter von abstoßendem Äußeren, samt seinen Leuten, um mit mir zu kämpfen. »Offenkundig zeigt sich in diesem Ägypter der Teufel P. setzt im  Siegesgestus diesem »Ägypter« die Ferse auf den Kopf und schnell und plötzlich endet der Kampf. Nach diesem Sieg erlebt P. in der Vision die Einholung des versprochenen Preises:»Und ich trat vor den Gladiatorenmeister und empfing den Zweig.« Und schlußendlich:»Und in Herrlichkeit schritt ich zum Tor des Lebens.« Hier nun bricht die Vision ab. Auf Grund der Aussagen der Passio stellt Peter Habermehl in seiner Arbeit über »Perpetua und der Ägypter oder Bilder des Bösen im frühen afrikanischen Christentum, ein Versuch zur Passio Sanctarum Perpetuae et Felicitatis« fest:»Die  Passio etabliert Perpetua als Inbegriff des Märtyrers. Ihre Gabe, mit dem Herrn zu kommunizieren, ihr Stand der Gnade und Gottesnähe, der es ihr erlaubt, ihren Bruder zu  erlösen, ihre männlichen Qualitäten, augenscheinlich in ihrem vierten Gesicht, aber auch in ihrem Auftreten gegenüber dem Vater und Offiziellen, endlich ihre Stärke im Angesicht des Todes, die sogar ihre Henker beschämt, zeichnen sie als wahre Heroin, die ihre Mitmärtyrer überragt, Perpetuas Idealisierung im Bericht des Herausgebers ist ein  Eckstein der mythischen  Qualität der Passio. Mehr noch gilt dies für ihr Tagebuch. Ihr erster und ihr vierter Traum, in denen sie in die Unterwelt hinab- und zum Himmel emporsteigt, und in denen sie wider Drachen und Ägypter streitet, senden ein ganzes  Spektrum mythischer Signale aus. Der Kampf der schönen Unschuld gegen den abscheulichen Unhold, des heroischen Athleten gegen die Mächte der Finsternis ist traditionelles Motiv mythischer Erzählung. Indem Perpetua ihren Agon aber als Mann besteht, entspricht sie auch dem alten Bild, das den mythischen Heros per definitionem männlich sein läßt - zumal im Descensus-Mythos. Perpetuas Geschlechtswandel und Metamorphose durch Tod und Auferstehung evozieren aber auch Mythos und Ritual der Initiation.« (S. 235 f.). Schon bald genossen die Akten der P. und F. hohes Ansehen. Sie wurden in der Kirche an ihrem Feste verlesen, wie Augustinus dies eigens bezeugt. Sie sind in lat. und griech. Fassung überliefert. Im Chronographen von 354 stehen sie nach den Apostelfürsten als  früheste Märtyrer, deren Todesjahr bekannt ist. Sie wurden auch in den Kanon der hl. Messe aufgenommen. Nach neueren Forschungen könnte jedoch die Felizitas des Kanons vielleicht die Römerin Felizitas sein. Seit dem 5. Jh. erhob sich über ihren Gräbern eine Basilika. Ihre frühesten Darstellungen finden sich auf den Mosaiken der erzbischöflichen Kapelle zu Ravenna aus dem 6. Jh. In späteren Zeiten finden sie sich häufig dargestellt als voneinander Abschied nehmende Frauen mit Kuh.
      In neuerer und neuester wissenschaftlicher Forschung wird die Passio der P. und F. als »eines der schönsten Kunstwerke der Antike« (Tillemont), als die »ergreifendste christliche Märtyrergeschichte« (A. v. Harnack) als »das Glanzstück der hagiographischen Literatur« (Delehaye), als »das bewegendste Stück der antiken christlichen Literatur« (Leclercq), als »eines der bewegendsten Zeugnisse der christlichen Literatur, ja der Literatur überhaupt (Le Goff), als »ein berührendes Zeugnis von Menschlichkeit und Mut« (Dodds) gepriesen.

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